Zwei unterschiedliche Halbzeiten sahen die Zuschauer am Freitagabend in der Spitzenbegegnung zwischen der zweitplatzierten HSG Siebengebirge und der drittplatzierten DJK Westwacht Weiden. Nach offenem Beginn (2:2, 5. Spielminute) gelang es den Gastgebern sich peu á peu abzusetzen und in der Spitze bis zu sechs Treffer vorzulegen. Grund dafür war aber nicht, dass die Westwacht wie in der Schlussviertelstunde des Hinspiels planlos agierte, sondern lediglich die Tatsache, dass man zahlreiche hochkarätige Chancen liegen ließ und dabei HSG-Keeper Henrik Schultze zum Helden der ersten Hälfte schoss. Resultat war, dass man in der 23. Minute mit 6:12 im Hintertreffen lag und erste Befürchtungen unter den mitgereisten Fans aufkamen, dass die Westwacht ähnlich wie oder noch schlimmer als im Hinspiel unter die Räder kommen könnte. Doch bereits vor der Halbzeitpause ging ein Ruck durch die Mannschaft und man verkürzte bis zum Pausenpfiff auf 10:13.
„In der zweiten Hälfte haben wir dann auch tatsächlich durchblicken lassen, dass wir die Punkte hier nicht kampflos hergeben werden“, berichtete Weidens Coach Philipp Havers nach der Partie. Die bereits in den vergangenen Wochen so sattelfeste Abwehr mit Marc Schlingensief, Timo Wolff, Jonas Backes und Stefan Kuck kam mit Beginn des zweiten Durchgangs immer besser ins Spiel und legte den Grundstein für eine spannende Partie auf Augenhöhe. Einzig mit Edi Schulz, der trotz einer Platzwunde auf der Stirn und dick zugeschwollenem Auge, eine Verletzung, die er aus einem Zusammenstoß mit Marc Schlingensief in der ersten Halbzeit davongetragen hatte, hatten die Grün-Weiße Defensive ihre Probleme, so dass Havers ihm schließlich eine Sonderbewachung verordnen musste. Die erhoffte Wirkung trat postwendend ein, so dass zunächst mit dem 18:18 der erste Ausgleich in Halbzeit zwei und wenige Minuten später beim Stand von 20:21 sogar die Führung herausgespielt wurde.
Im weiteren Verlauf gelang es dann jedoch keinem der beiden Teams sich vorentscheidend abzusetzen, so dass sich über die Zwischenstände 22:22, 23:23 und 24:24 bereits andeutete wie das Spiel enden könnte. „Wenn ich dann rückblickend betrachte, dass die HSG mit 26:24 in Führung gegangen ist, muss ich ganz klar von einem gewonnenen Punkt sprechen“, war Havers nach dem Spiel zunächst etwas unzufrieden mit der Punkteteilung. „Ich kommentiere die Leistung der Schiedsrichter eigentlich nie, aber wenn ich sehe, dass die Abwehr des Gegners in der 47. und 57. Minute erst die zweite und dritte gelbe Karte sieht und über den gesamten Spielverlauf keine einzige Zeitstrafe kassiert, dann muss man sich die Frage gefallen lassen, ob wir das gleiche Spiel gesehen haben“ kritisierte Havers die Progressionsreihe der Unparteiischen. Dass es am Ende dann doch noch zum Punktgewinn reichte, war Westwachts Torwart Bobo Bayer zu verdanken, der zuerst einen freien Abschluss von Edi Schulz unter die Hallendecke beförderte und später den Versuch eines Kopflegers beim Siebenmeter von Basti Willcke entschärfte. „Den „lucky punch“ haben wir dann leider verpasst“, berichtete Havers und schilderte, dass sein Team 12 Sekunden vor Schluss sogar noch einmal in Ballbesitz kam, diesen aber nicht mehr zu einem torgefährlichen Abschluss nutzen konnte.
„Das Unentschieden ist am Ende leistungsgerecht, unsere erste Hälfte war mit einer Angriffsquote von nicht einmal 40 % zu schwach um das Spiel am Ende berechtigt zu gewinnen, vielleicht haben wir uns aber auch etwas von der HSG-Abwehr, die alles durfte, einschüchtern lassen. In der zweiten Halbzeit konnten wir uns dann deutlich steigern, insbesondere Timo Wolff, der neben seiner Defensivleistung auch vorne viel Arbeit gegen die robuste Abwehr der HSG hatte, und Simon Bock, der alle seiner sieben Treffer im zweiten Durchgang erzielte, haben maßgeblich zum Ergebnis beigetragen. Zuletzt sollte auch Andi Micke nicht unerwähnt bleiben, der sich trotz seines angeschlagenen Zustands in den Dienst der Mannschaft gestellt und alles gegeben hat“, lobte Havers den Einsatz seiner Jungs und gibt Ausblick auf die kommenden Wochen:
„Durch den Sieg gegen BTB und das Unentschieden gegen Siebengebirge ist die Meisterschaftsfrage fünf Spieltage vor Schluss wieder völlig offen, unsere beiden Kontrahenten liegen mit zwei Punkten Vorsprung gleichauf und werden nur durch das Torverhältnis und das bislang mehr ausgetragene Spiel getrennt – wenn einer der beiden strauchelt, sind wir bereit!“
Torschützen: Simon Bock 7/2, Timo Wolff, Marcel Habisch je 4, Jonas Backes 3, Stefan Kuck, Tyrone Schwark, Andi Micke je 2, Marc Schlingensief, Pascal Schröder je 1

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